KRITIS-Dachgesetz und NIS2 im Vergleich
KRITIS-Dachgesetz und NIS2: Unterschiede, Pflichten und Zusammenspiel
Das KRITIS-Dachgesetz und NIS2 stellen Unternehmen vor unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Anforderungen. Während das KRITIS-Dachgesetz die physische Resilienz kritischer Anlagen stärkt, konzentriert sich NIS2 auf die Cyber- und Informationssicherheit wichtiger und besonders wichtiger Einrichtungen.
Unternehmen können von einem oder von beiden Regelwerken betroffen sein. Entscheidend sind unter anderem der jeweilige Sektor, die erbrachten Dienstleistungen, die Unternehmensgröße sowie die Bedeutung der betriebenen Anlagen und Einrichtungen.
Diese Übersicht zeigt, wie sich das KRITIS-Dachgesetz und NIS2 unterscheiden, wo sich die Anforderungen überschneiden und wie Unternehmen beide Regelwerke sinnvoll miteinander verbinden können.
Quick Check: KRITIS-Dachgesetz
KRITIS-Dachgesetz und NIS2 im Überblick
Beide Regelwerke verfolgen das Ziel, die Widerstandsfähigkeit wichtiger Versorgungsstrukturen und Unternehmen zu erhöhen. Die jeweiligen Schwerpunkte unterscheiden sich jedoch deutlich:
| Kriterium | KRITIS-Dachgesetz | NIS2 und BSIG |
|---|---|---|
| Schwerpunkt | Physische Resilienz kritischer Anlagen | Cyber- und Informationssicherheit |
| Betroffene Organisationen | Betreiber kritischer Anlagen | Wichtige und besonders wichtige Einrichtungen |
| Risikobetrachtung | All-Gefahren-Ansatz mit physischen, technischen, natürlichen und menschlich verursachten Gefahren | Risiken für Netz- und Informationssysteme |
| Zentrale Anforderungen | Risikoanalyse, Resilienzmaßnahmen, Resilienzplan und Vorfallmeldungen | Risikomanagementmaßnahmen, Registrierung, Meldepflichten und Nachweisführung |
| Geschäftsleitung | Umsetzung und Überwachung der Resilienzmaßnahmen | Umsetzung, Überwachung und regelmäßige Schulung |
| Gemeinsame Themen | BCM, Krisenmanagement, Governance, Meldeprozesse und Übungen | BCM, Krisenmanagement, Governance, Meldeprozesse und Übungen |
Was regelt das KRITIS-Dachgesetz?
Das KRITIS-Dachgesetz schafft einen sektorenübergreifenden Rahmen für die physische Resilienz kritischer Anlagen. Es verfolgt einen All-Gefahren-Ansatz und berücksichtigt unter anderem Naturgefahren, technische Störungen, menschliches Versagen, Sabotage und weitere physische Bedrohungen.
Betreiber kritischer Anlagen müssen eine Risikoanalyse und Risikobewertung nach § 12 KRITIS-Dachgesetz durchführen. Auf dieser Grundlage sind angemessene Resilienzmaßnahmen zu entwickeln und in einem Resilienzplan nach § 13 KRITIS-Dachgesetz nachvollziehbar zu dokumentieren.
Was regelt NIS2?
NIS2 stärkt die Cyber- und Informationssicherheit in zahlreichen Wirtschafts- und Verwaltungsbereichen. In Deutschland wurden die Vorgaben der NIS-2-Richtlinie durch das NIS-2-Umsetzungsgesetz insbesondere in das novellierte BSI-Gesetz überführt.
Das BSIG unterscheidet zwischen wichtigen und besonders wichtigen Einrichtungen. Betroffene Organisationen müssen unter anderem geeignete Risikomanagementmaßnahmen umsetzen, erhebliche Sicherheitsvorfälle melden, sich beim BSI registrieren und die Umsetzung nachvollziehbar dokumentieren.
Die Geschäftsleitung ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen, ihre Umsetzung zu überwachen und regelmäßig an Schulungen teilzunehmen.
Offizielle Informationen zu Registrierung, Meldepflichten und dem BSI-Portal finden betroffene Einrichtungen auf der Seite NIS-2-Pflichten des BSI.
Unterschied zwischen KRITIS-Dachgesetz und NIS2
Der wesentliche Unterschied liegt im jeweiligen Schutzgegenstand:
Das KRITIS-Dachgesetz konzentriert sich auf die physische Widerstandsfähigkeit kritischer Anlagen und die Aufrechterhaltung kritischer Dienstleistungen. Dazu gehören beispielsweise der Schutz von Standorten und Anlagen, organisatorische Resilienzmaßnahmen sowie die Vorbereitung auf physische Störungen und Ausfälle.
NIS2 konzentriert sich dagegen auf die Sicherheit von Netz- und Informationssystemen. Im Mittelpunkt stehen Cyberrisiken, Informationssicherheitsorganisation, technische und organisatorische Schutzmaßnahmen, Incident Management sowie die Sicherheit von Lieferketten und Dienstleistern.
Beide Regelwerke sind daher nicht austauschbar. Ein Informationssicherheitsmanagementsystem allein deckt nicht automatisch die Anforderungen an die physische Resilienz ab. Umgekehrt ersetzt ein physisches Sicherheitskonzept keine systematische Cyber- und Informationssicherheitsorganisation.
Wo überschneiden sich KRITIS-Dachgesetz und NIS2?
Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte bestehen zahlreiche gemeinsame Handlungsfelder:
- Risikoanalyse und Risikobewertung
- Business Continuity Management
- Notfall- und Krisenmanagement
- Melde- und Eskalationsprozesse
- Verantwortung und Überwachung durch die Geschäftsleitung
- Rollen, Zuständigkeiten und Governance
- Lieferanten und externe Dienstleister
- Schulungen und Sensibilisierung
- Übungen und Wirksamkeitskontrollen
- Dokumentation und Nachweisführung
Unternehmen sollten diese Themen nicht in voneinander getrennten Einzelprojekten bearbeiten. Eine abgestimmte Umsetzung reduziert Doppelarbeit und sorgt dafür, dass physische Sicherheit, Informationssicherheit und organisatorische Resilienz ineinandergreifen.
KRITIS-Dachgesetz und NIS2 – was Unternehmen jetzt prüfen sollten
1. Betroffenheit klären
Prüfen Sie zunächst getrennt, ob Ihr Unternehmen unter das KRITIS-Dachgesetz, NIS2 oder beide Regelwerke fällt.
2. Bestehende Strukturen aufnehmen
Erfassen Sie vorhandene Sicherheitskonzepte, Risikoanalysen, ISMS-, BCM- und Krisenmanagementstrukturen sowie bereits etablierte Melde- und Eskalationswege.
3. Anforderungen und Lücken bewerten
Gleichen Sie die vorhandenen Maßnahmen mit den jeweils geltenden gesetzlichen Anforderungen ab. Berücksichtigen Sie dabei organisatorische, technische und physische Lücken.
4. Maßnahmen priorisieren
Entwickeln Sie einen realistischen Umsetzungsfahrplan mit klaren Verantwortlichkeiten, Fristen, Ressourcen und erwarteten Ergebnissen.
5. Governance und Nachweise etablieren
Legen Sie fest, wie die Geschäftsleitung informiert wird, wer die Umsetzung überwacht und wie Entscheidungen, Maßnahmen und Wirksamkeitsprüfungen dokumentiert werden.
6. Prozesse erproben
Überprüfen Sie Meldewege, Notfallorganisation und Krisenmanagement regelmäßig durch Tests und Übungen.
KRITIS-Dachgesetz und NIS2 integriert umsetzen
Eine integrierte Umsetzung verbindet die Anforderungen beider Regelwerke mit den bereits vorhandenen Strukturen des Unternehmens. Dadurch entstehen keine parallelen Managementsysteme, sondern ein abgestimmter Rahmen für Sicherheit und Resilienz.
Im Mittelpunkt stehen vier miteinander verbundene Bereiche:
Informationssicherheitsmanagement
Ein Informationssicherheitsmanagementsystem schafft die Grundlage für die systematische Steuerung von Cyber- und Informationssicherheitsrisiken und unterstützt die nachweisbare Umsetzung der NIS2-Anforderungen.
Business Continuity Management
Ein wirksames Business Continuity Management identifiziert zeitkritische Prozesse, Ressourcen und Abhängigkeiten und schafft Strukturen für die Aufrechterhaltung und Wiederherstellung des Betriebs.
Notfall- und Krisenmanagement
Ein strukturiertes Notfall- und Krisenmanagement schafft klare Entscheidungs-, Alarmierungs- und Kommunikationswege und ermöglicht eine koordinierte Reaktion auf schwerwiegende Vorfälle.
Physische Sicherheit
Ein ganzheitliches Sicherheitsmanagement für Unternehmen verbindet bauliche, technische, personelle und organisatorische Maßnahmen zum Schutz kritischer Standorte, Anlagen und Ressourcen.
Das Zusammenspiel aus Informationssicherheitsmanagement, Business Continuity Management, Notfall- und Krisenmanagement sowie physischer Sicherheit stärkt nicht nur die regulatorische Konformität, sondern auch die tatsächliche Handlungsfähigkeit des Unternehmens bei Störungen, Cyberangriffen und Krisen.
Business Continuity Management als verbindendes Element
Business Continuity Management verbindet regulatorische Anforderungen mit der praktischen Aufrechterhaltung kritischer Geschäftsprozesse. Das Video zeigt, welche Rolle BCM bei der Vorbereitung auf Störungen, Ausfälle und Krisensituationen spielt und wie Unternehmen ihre Wiederanlauffähigkeit strukturiert stärken können.
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Mehr InformationenWeitere Informationen zur Einführung und Weiterentwicklung eines belastbaren Business Continuity Managements finden Sie auf unserer Seite zur BCM-Beratung für Unternehmen.
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Warum eine frühzeitige Umsetzung wichtig ist
Die Umsetzung beider Regelwerke erfordert mehr als einzelne technische oder organisatorische Maßnahmen. Bestehende Prozesse, Verantwortlichkeiten, Abhängigkeiten und Nachweise müssen zunächst erfasst und anschließend gezielt weiterentwickelt werden.
Unternehmen, die frühzeitig beginnen, können Maßnahmen sinnvoll priorisieren, bestehende Strukturen nutzen und notwendige Ressourcen besser planen. Gleichzeitig wird vermieden, dass Risikoanalysen, Sicherheitskonzepte, Meldeprozesse und Managementsysteme unter kurzfristigem Zeitdruck isoliert voneinander aufgebaut werden.
Eine strukturierte Vorbereitung stärkt daher sowohl die regulatorische Sicherheit als auch die tatsächliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Ausfällen, Cyberangriffen und anderen Krisenereignissen.
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