Eine Person, die eine Warnweste und einen weißen Schutzhelm trägt, steht an einem hohen Metallzaun und inspiziert diesen auf einem schwarzstartfähigen Industriegelände, mit Gebäuden und einem Schornstein im Hintergrund. Und überprüft so den Schwellenwert.

Schwellenwert wird Sicherheitskonzept

Der Schwellenwert war in diesem Projekt der regulatorische Ausgangspunkt, aber nicht das eigentliche Ziel. Für den Betreiber einer thermischen Abfallbehandlungsanlage entwickelte die 3-core ein Sicherheitskonzept, das gesetzliche Anforderungen, Standortrealität, Gefährdungslage und geplante Erweiterungen zusammenführt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie aus einer kritischen Anlage ein nachvollziehbar geschützter, resilienter und nachweisfähiger Standort wird.

Vom Entsorgungsstandort zur kritischen Anlage

Unser Kunde betreibt eine thermische Abfallbehandlungsanlage zur Verwertung von Siedlungsabfällen. Die Anlage erzeugt elektrische Energie und stellt Fernwärme bereit. Damit erfüllt der Standort nicht nur eine Entsorgungsfunktion, sondern ist auch Teil versorgungsrelevanter Energie- und Wärmestrukturen. Besonders relevant war die Menge der jährlich verarbeiteten Siedlungsabfälle. Der maßgebliche Schwellenwert liegt im vorliegenden Fall bei 79.500 Tonnen pro Jahr. Mit einer tatsächlichen Jahresmenge von über 300.000 Tonnen wird dieser Wert deutlich überschritten. Damit ist die Anlage als kritische Anlage einzuordnen und muss entsprechend risikobasiert betrachtet werden.

Für das Projekt bedeutete das: Es ging nicht nur um klassische Objektsicherung. Es ging darum, ein Sicherheitskonzept zu entwickeln, das regulatorische Anforderungen, betriebliche Kritikalität, physische Schutzmaßnahmen, Alarmierung, Dokumentation und kontinuierliche Verbesserung miteinander verbindet.

Ein Standort im Wandel

Der Standort soll perspektivisch erweitert werden. Geplant sind zusätzliche Anlagenbereiche sowie Baustelleneinrichtungsflächen. Während der Bauphase ist mit zusätzlichem Baustellenverkehr, temporären Lagerflächen, externen Dienstleistern und neuen Verkehrswegen zu rechnen.

Das Sicherheitskonzept musste deshalb nicht nur den heutigen Zustand abbilden, sondern auch künftige Veränderungen berücksichtigen. Bauphasen, geänderte Zugänge und zusätzliche Personen auf dem Gelände können das Risikobild deutlich verändern.

Die Schutzlogik des Sicherheitskonzepts

Das Sicherheitskonzept wurde entlang von sechs Schutzzielen und den Schwellenwert der Anlage aufgebaut. Diese bildeten den roten Faden für Risikoanalyse, IST-Bewertung, Schutzzonenkonzept und technische Systemanforderungen.

Prävention: Sicherheitsereignisse möglichst verhindern, bevor sie entstehen — etwa durch klare Regeln, bauliche Sicherung und kontrollierte Zutritte.

Detektion: Auffälligkeiten und sicherheitsrelevante Ereignisse frühzeitig erkennen, damit ausreichend Zeit für Bewertung und Reaktion bleibt.

Identifikation und Verifikation: Meldungen prüfen und einordnen, ob es sich um einen echten Vorfall, eine Störung oder einen Fehlalarm handelt.

Behinderung: Unberechtigte Handlungen verzögern und erschweren, damit kritische Bereiche nicht unmittelbar erreicht werden können.

Intervention: Auf bestätigte Ereignisse wirksam reagieren — mit klaren Zuständigkeiten, Alarmierungswegen und Eskalationsprozessen.

Dokumentation: Ereignisse, Entscheidungen und Maßnahmen nachvollziehbar festhalten, um Nachweise zu schaffen und Prozesse weiter zu verbessern.

Grafik zum Sicherheitskonzept einer kritischen Abfallbehandlungsanlage nach überschrittenem Schwellenwert mit sechs Schutzzielen: Prävention, Detektion, Identifikation und Verifikation, Behinderung, Intervention und Dokumentation.

Diese Schutzlogik sorgte dafür, dass einzelne Maßnahmen nicht isoliert betrachtet wurden. Jede Empfehlung musste einen Beitrag zur gesamten Sicherheitskette leisten.

Risikoanalyse und IST-Zustand

Die Risikoanalyse betrachtete Naturgefahren wie Hochwasser, Starkregen, Sturm, Erdbeben und Waldbrand, außerdem technisches Versagen sowie unterschiedliche Täterprofile. Zusätzlich wurden Risiken auf Landes-, Unternehmens- und Standortebene eingeordnet.

Im Anschluss wurde der bestehende Sicherheitszustand bewertet. Dabei ging es nicht um Einzelbefunde, sondern um die Frage, ob Perimeter, Zugänge, Detektion, Verifikation und Organisation gemeinsam eine wirksame Schutzlinie bilden.

Analysiert wurden unter anderem:

  • Grundstücksgrenzen und Perimeter,
  • Haupt- und Nebenzugänge,
  • Gebäudezugänge,
  • Detektions- und Verifikationstechnik,
  • organisatorische Abläufe,
  • Social-Engineering-Risiken,
  • bestehende Verwundbarkeiten.

Gerade angrenzende Wege, Waldflächen, Verkehrsachsen, Einsehbarkeit und geplante Baustellenlogistik spielten für die Bewertung eine wichtige Rolle.

Vom Schwellenwert zum Schutzzonenkonzept

Ein zentrales Ergebnis war ein risikobasiertes Schutzzonenkonzept. Es verbindet regulatorische Einstufung nach dem Schwellenwert, Schutzbedarf, Täterprofile, Werkzeugkategorien und erforderliche Resilienzzeit.

Ziel war es, Bereiche nicht pauschal gleich zu schützen, sondern abgestuft nach Kritikalität und Gefährdung. Besonders sensible Bereiche benötigen höhere Anforderungen an Zutritt, Begrenzung, Detektion, Verifikation und Intervention.

Wichtig war auch die Frage, ob Schutzzonen übersprungen oder umgangen werden könnten — etwa durch Nebenwege, temporäre Bauzugänge oder organisatorische Lücken.

Ein rotes Anführungszeichen-Symbol in einer rot umrandeten Sprechblase auf weißem Hintergrund, das für einen Kommentar zur Krisenstabsübungen steht.

„Wir wussten, dass unser Standort besonders relevant ist. Das Schutzzonenkonzept hat uns gezeigt, wo die kritischen Bereiche tatsächlich liegen, welche Schutzlinien erforderlich sind und wie wir Sicherheit nachvollziehbar steuern können.“

Anforderungen an Sicherheitsüberwachung und Alarmierung

Aus dem Schutzzonenkonzept wurden Systemanforderungen für Sicherheitsüberwachung und Alarmierung abgeleitet.

Dazu gehörten:

  • Alarm-Auslösungen,
  • Öffnungszeitenüberschreitungen,
  • Zustandsüberwachungen,
  • temporäre und zeitgesteuerte Deaktivierungen,
  • Falschalarmmanagement,
  • virtuelle Rundgänge,
  • Anforderungen an Bedienplätze,
  • Dokumentation und Nachweisführung.

Ein wirksames System muss Ereignisse nicht nur melden. Es muss sie bewertbar machen, priorisieren, eskalieren und dokumentieren. Gerade bei einer Anlage, die den relevanten Schwellenwert deutlich überschreitet, ist diese Nachvollziehbarkeit zentral.

Ergebnis: Ein Konzept für Betrieb, Erweiterung und Nachweisfähigkeit

Am Ende stand ein Sicherheitskonzept, das den Standort als kritische Anlage betrachtet und gleichzeitig seine künftige Entwicklung berücksichtigt.

Der Kunde erhielt eine belastbare Grundlage für:

  • regulatorische Einordnung,
  • Risiko- und Kritikalitätsbewertung,
  • Bewertung des bestehenden Sicherheitsniveaus,
  • risikobasierte Schutzzonen,
  • Anforderungen an Alarmierung, Verifikation und Dokumentation,
  • Security Awareness,
  • kontinuierliche Verbesserung,
  • Berücksichtigung geplanter Erweiterungen.

Der besondere Mehrwert lag darin, dass das Konzept nicht beim Schwellenwert endet. Es übersetzt die Einstufung in konkrete, prüfbare und fortschreibbare Sicherheitsanforderungen.

Unsere Leistungen im Projekt

Prüfung regulatorischer Anforderungen

Die 3-core GmbH prüfte, welche regulatorischen Anforderungen für den Standort relevant sind und welche Bedeutung der überschrittene Schwellenwert für Risikoanalyse, Resilienz, Schutzmaßnahmen und Nachweisführung hat.

Risiko- und Kritikalitätsanalyse

Das 3-core Team bewertete die Kritikalität des Standorts und analysierte relevante Gefährdungen, darunter Naturereignisse, technisches Versagen, unterschiedliche Täterprofile sowie Risiken auf Landes-, Unternehmens- und Standortebene.

Bewertung des IST-Zustands

Das 3-core Team analysierte den bestehenden Sicherheitszustand des Standorts. Betrachtet wurden unter anderem Perimeter, Zugänge, Gebäude, Detektions- und Verifikationstechnik, organisatorische Prozesse und mögliche Social-Engineering-Risiken.

Entwicklung des Schutzzonenkonzepts

Die 3-core GmbH entwickelte ein risikobasiertes Schutzzonenkonzept auf Grundlage von Schutzbedarf, Täterprofilen, Werkzeugkategorien und Resilienzzeit. Daraus wurden Anforderungen an Zutritt, Begrenzung, Detektion, Verifikation und Intervention abgeleitet.

Definition technischer Systemanforderungen

Das 3-core Team formulierte Anforderungen an Sicherheitsüberwachung, Alarmierung, Zustandsüberwachung, Videoverifikation, Falschalarmmanagement, Bedienplätze und Dokumentation.

Empfehlungen zur kontinuierlichen Verbesserung

Abschließend leitete die 3-core GmbH Empfehlungen zu Security Awareness, Nachweisführung, regelmäßiger Aktualisierung des Sicherheitskonzepts sowie zur Berücksichtigung künftiger Erweiterungen und Bauphasen ab.