Mitarbeiter in Warnschutzkleidung installiert oder prüft den Perimeterschutz an einem Metallzaun vor einem Industriegebäude.

Perimeterschutz im Schutzzonenkonzept

Die 3-core GmbH entwickelte für einen industriellen Mehrfirmenstandort ein risikobasiertes Schutzzonenkonzept, in dem Perimeterschutz, sensible Bereiche, Zutrittsprozesse, Widerstandszeiten sowie bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen zu einer nachvollziehbaren Schutzlogik zusammengeführt wurden. Ausgangspunkt war ein Standort, dessen gewachsene Sicherheitsstrukturen an steigende Schutzbedarfe angepasst werden mussten.

Ausgangslage: Ein Standort mit vielen Nutzern und sensiblen Bereichen

Der Kunde betreibt einen industriellen Mehrfirmenstandort mit produzierenden Unternehmen, Dienstleistern, technischen Betriebsbereichen und unterstützenden Funktionen. Der laufende Betrieb ist auf unterschiedliche Nutzergruppen angewiesen: Mitarbeitende, externe Dienstleister, Wartung, Reinigung, Logistik, Prüfleistungen und weitere Servicepartner.

Gleichzeitig gibt es auf dem Areal Bereiche mit erhöhtem Schutzbedarf. Diese ergeben sich nicht nur aus einzelnen Gebäuden oder Anlagen, sondern aus dem Zusammenspiel von Produktion, Lagerung, Zutritt, Dienstleistereinsatz, regulatorischen Anforderungen und der strategischen Bedeutung einzelner Standortbereiche.

Besonders relevant waren dabei:

  • wechselnde Zutrittsbedarfe interner und externer Personen,
  • sensible Teilbereiche innerhalb eines größeren Areals,
  • unterschiedliche Verantwortlichkeiten am Standort,
  • mehrere Übergänge zwischen allgemeinen und schutzbedürftigen Bereichen,
  • steigende Anforderungen an Nachweisführung und Schutzwirkung.

Der Kunde benötigte deshalb kein isoliertes Maßnahmenpaket, sondern ein Konzept, das unterschiedliche Schutzbedarfe sichtbar macht und daraus konkrete Anforderungen ableitet.

Der Auftrag: Vom Standortbild zur Schutzlogik

Die 3-core GmbH wurde beauftragt, die physische Sicherheit des Standorts strukturiert zu bewerten und daraus ein belastbares Schutzzonenkonzept abzuleiten. Im Fokus stand nicht nur die äußere Sicherung des Areals, sondern vor allem die Frage, wie unterschiedliche Schutzbereiche sinnvoll voneinander abgegrenzt werden können.

Dazu musste zunächst verstanden werden, welche Bereiche besonders kritisch sind, welche Nutzergruppen sich auf dem Gelände bewegen und welche Risiken realistisch betrachtet werden müssen. Erst auf dieser Grundlage konnten Anforderungen an Zonengrenzen, Zutritt, Detektion, Widerstandszeiten und organisatorische Abläufe definiert werden.

Die Leitfrage lautete:

Wie lässt sich ein gewachsener Mehrfirmenstandort so strukturieren, dass sensible Bereiche angemessen geschützt werden und der laufende Betrieb zugleich handlungsfähig bleibt?

Perimeterschutz als Teil der Standortlogik

Perimeterschutz beschreibt die äußere Sicherung eines Standorts — etwa über Grundstücksgrenzen, Zufahrten, Tore, Zäune, bauliche Barrieren oder kontrollierte Zugangspunkte. Für einen sensiblen Industriepark ist diese erste Schutzlinie wichtig, aber sie beantwortet noch nicht alle Sicherheitsfragen.

Denn viele Risiken entstehen innerhalb des Areals: an Übergängen zwischen allgemeinen Betriebsflächen und sensiblen Bereichen, bei wechselnden Zutrittsberechtigungen, durch Fremdfirmenbewegungen oder durch unklare organisatorische Abläufe. Deshalb wurde Perimeterschutz im Projekt als Ausgangspunkt verstanden, nicht als Endpunkt.

Entscheidend war, wie gut Schutzbedarf, Täterprofil, Widerstandszeit, Detektion und Reaktion zusammenpassen. Genau daraus entstand der Bedarf für ein abgestuftes Schutzzonenkonzept.

Risikoanalyse: Wer könnte wie vorgehen?

Ein zentraler Bestandteil des Projekts war die Bedrohungs- und Risikoanalyse. Das 3-core Team betrachtete relevante Täterprofile und deren mögliche Vorgehensweisen — darunter Gelegenheitstäter, Einzeltäter, organisierte Akteure, Spionage- und Sabotageakteure sowie aktivistische oder störungsorientierte Gruppen.

Ziel war es, realistische Szenarien für den Standort abzuleiten: etwa unbefugtes Betreten, Ausspähung sensibler Bereiche, Störung von Betriebsabläufen oder gezielte Manipulation. Daraus ergab sich, welche Schutzwirkung an bestimmten Bereichen erforderlich ist und welche Anforderungen an Sicherung, Detektion und Reaktion gestellt werden müssen.

Standortbegehung und Schwachstellenanalyse

Aufbauend auf der Risikoanalyse wurde der bestehende Sicherheitszustand des Standorts bewertet. Bei der Standortbegehung betrachtete das 3-core Team unter anderem äußere Schutzlinien, Zufahrten, Zugangspunkte, Übergänge zwischen Bereichen, bauliche Trennungen, technische Systeme und organisatorische Abläufe.

Entscheidend war dabei nicht nur, ob Sicherheitsmaßnahmen vorhanden waren. Bewertet wurde vor allem, ob sie zum jeweiligen Schutzbedarf passen. Ein Zugang kann für einen allgemeinen Betriebsbereich ausreichend sein, für eine sensible Zone aber zu wenig Schutzwirkung bieten.

LPS 1175 und EN 1627: Widerstand verständlich machen

Zur fachlichen Einordnung baulicher Anforderungen wurden LPS 1175 und EN 1627 herangezogen. Beide Standards helfen dabei, physische Widerstandsfähigkeit greifbarer zu machen, setzen aber unterschiedlich an: LPS 1175 betrachtet Sicherheitsprodukte und Schutzsysteme aus Sicht eines Angriffs. Dabei werden Werkzeugkategorien und Widerstandszeiten kombiniert: Entscheidend ist, mit welchen Werkzeugen ein Angreifer vorgehen könnte und wie lange eine Schutzlinie diesem Angriff standhalten muss. EN 1627 beschreibt dagegen Widerstandsklassen für einbruchhemmende Bauteile wie Türen, Fenster, Fassaden, Gitter oder Abschlüsse. Im Projekt wurden beide Standards nicht gleichgesetzt, sondern als Orientierung genutzt, um Anforderungen an Zonengrenzen, Bauteile und Schutzlinien nachvollziehbar aus Risiko, Täterprofil und erforderlicher Widerstandszeit abzuleiten.

Das Schaubild macht sichtbar: Je höher die angenommene Täterfähigkeit und je umfangreicher die Werkzeuge, desto stärker muss eine Schutzlinie ausgelegt sein. Das gilt für den Perimeterschutz als äußere Sicherung ebenso wie für innere Zonengrenzen.

Gleichzeitig müssen Detektion, Alarmierung, Verifikation und Intervention so zusammenspielen, dass die gewonnene Widerstandszeit genutzt werden kann. Für das Schutzzonenkonzept bedeutete das: Entscheidend war nicht nur, ob eine Grenze vorhanden ist, sondern welche Schutzwirkung sie im konkreten Risikoszenario leisten muss.

Schaubild mit den Kategorien A bis H, steigendem Werkzeug- und Maßnahmenumfang sowie zunehmender Widerstandszeit als Grundlage für den Perimeterschutz.

Der Übergang von einer Schutzzone in die nächste

Besonders wichtig war die Betrachtung der Übergänge zwischen den Schutzzonen. Sicherheitsrisiken entstehen häufig genau dort, wo Bereiche ineinander übergehen: an Toren, Türen, Zufahrten, Schleusen, technischen Zugängen oder organisatorischen Schnittstellen.

Für jede Zonengrenze wurde geprüft:

  • Welche Personen oder Dienstleister dürfen passieren?
  • Welche Berechtigung ist erforderlich?
  • Welche bauliche Barriere schützt den Übergang?
  • Welche Widerstandszeit muss erreicht werden?
  • Wie wird ein unberechtigter Zutrittsversuch erkannt?
  • Wer reagiert im Ereignisfall?
  • Wie wird der Vorgang dokumentiert?

So wurde der Übergang von einer Schutzzone in die nächste nicht nur als Tür, Tor oder Zaun betrachtet, sondern als kontrollierter Sicherheitsprozess. Eine höhere Schutzzone bedeutet nicht automatisch nur stärkeres Material. Sie bedeutet auch strengere Zutrittsregeln, klarere Verantwortlichkeiten, bessere Nachweisführung und ein abgestimmtes Zusammenspiel aus baulichen, technischen und organisatorischen Maßnahmen.

Vom Perimeterschutz zum Schutzzonenkonzept

Aus Risikoanalyse, Standortbegehung und fachlicher Einordnung entwickelte die 3-core GmbH ein risikobasiertes Schutzzonenkonzept. Der Standort wurde nicht als einheitliche Fläche betrachtet, sondern in Bereiche mit unterschiedlichen Sicherheitsanforderungen gegliedert.

Für jede Zone wurden Schutzbedarf, Widerstandszeit, bauliche Maßnahmen, technische Detektion, Zutrittsprozesse und Dokumentationsanforderungen betrachtet.

Der Perimeterschutz wurde dabei als äußere Schutzlinie eingeordnet. Die eigentliche Wirksamkeit entstand jedoch erst durch das Zusammenspiel mit inneren Schutzzonen, definierten Übergängen, abgestuften Zutrittsrechten und organisatorischen Prozessen.

Ergebnis: Ein Sicherheitskonzept mit klarer Priorisierung

Am Ende erhielt der Kunde ein standortbezogenes Sicherheitskonzept, das physische Sicherheit, Betriebsfähigkeit und Nachweisführung miteinander verbindet. Sensible Bereiche wurden nachvollziehbar abgegrenzt, Zonengrenzen mit Anforderungen hinterlegt und Maßnahmen priorisiert.

Der Mehrwert lag vor allem darin, dass Perimeterschutz, Schutzzonen und Einzelmaßnahmen nicht getrennt voneinander bewertet wurden, sondern als Teil einer gemeinsamen Schutzlogik. Der Kunde kann nun nachvollziehen, welche Bereiche besonders schutzbedürftig sind, welche Widerstandszeiten erforderlich werden und welche baulichen, technischen oder organisatorischen Maßnahmen an welcher Stelle sinnvoll sind.

So entstand aus einem komplexen Mehrfirmenstandort ein strukturierter Sicherheitsrahmen, der erhöhte Schutzbedarfe adressiert, den Perimeterschutz sinnvoll einordnet und den laufenden Betrieb nicht aus dem Blick verliert.

Unsere Leistungen im Projekt

Strukturierung des Geltungsbereichs

Die 3-core GmbH strukturierte zunächst den Geltungsbereich des Sicherheitskonzepts. Dabei wurde eingeordnet, welche Standortbereiche, Nutzergruppen, Übergänge und Sicherheitsfunktionen für die Betrachtung relevant sind. So entstand eine klare Grundlage für die weitere Analyse und spätere Maßnahmenableitung.

Risiko- und Kritikalitätsanalyse

Das 3-core Team bewertete die Kritikalität des Standorts und analysierte relevante Gefährdungen, darunter Naturereignisse, technisches Versagen, unterschiedliche Täterprofile sowie Risiken auf Landes-, Unternehmens- und Standortebene.

Bedrohungs- und Risikoanalyse

Das 3-core Team bewertete relevante Täterprofile, typische Vorgehensweisen, Eintrittswahrscheinlichkeiten und mögliche Auswirkungen. Ziel war es, nicht nur abstrakte Risiken zu benennen, sondern realistische Szenarien für den Standort abzuleiten und daraus konkrete Anforderungen an Schutzwirkung, Detektion und Reaktion zu entwickeln.

Standortbegehung und Schwachstellenanalyse

Im Rahmen der Standortbegehung wurden äußere Schutzlinien, Zufahrten, Zugänge, Übergänge zwischen Bereichen, bauliche Schutzmaßnahmen, technische Systeme und organisatorische Prozesse bewertet. Dabei prüfte das 3-core Team insbesondere, ob vorhandene Maßnahmen zum jeweiligen Schutzbedarf passen und wo Lücken in der Schutzlogik bestehen.

Entwicklung des Schutzzonenkonzepts

Die 3-core GmbH entwickelte ein risikobasiertes Schutzzonenkonzept, das den Standort in Bereiche mit unterschiedlichen Sicherheitsanforderungen gliedert. Für die einzelnen Zonen wurden Schutzbedarf, Zonengrenzen, Widerstandszeiten, Zutrittsanforderungen und ergänzende Maßnahmen nachvollziehbar abgeleitet.

Einordnung von LPS 1175 und EN 1627

Das 3-core Team nutzte LPS 1175 und EN 1627 zur fachlichen Einordnung baulicher Mindestanforderungen. Dabei wurden die Standards nicht pauschal übertragen, sondern genutzt, um Schutzwirkungen an Zonengrenzen nachvollziehbar aus Risiko, Täterprofilen, Werkzeugannahmen und erforderlicher Widerstandszeit abzuleiten.

Ableitung baulicher, technischer und organisatorischer Maßnahmen

Auf Basis der Analyse wurden Maßnahmenempfehlungen für unterschiedliche Ebenen entwickelt. Dazu gehörten bauliche Anforderungen an Schutzlinien und Übergänge, technische Anforderungen an Detektion und Verifikation sowie organisatorische Anforderungen an Zutritt, Dienstleistersteuerung, Intervention, Dokumentation und Nachweisführung.

Priorisierung der Maßnahmen

Abschließend priorisierte die 3-core GmbH die empfohlenen Maßnahmen. Dadurch erhielt der Kunde eine belastbare Grundlage, um kurzfristige, mittelfristige und strategische Sicherheitsmaßnahmen gezielt zu planen und den Perimeterschutz in die Gesamtlogik aus Schutzzonen, Zutritt, Detektion, Widerstandszeit und organisatorischer Steuerung einzuordnen.